Saugleistung eines Staubsauger

Saugt der Nass- Trockensauger mit 3000 Watt jetzt wirklich besser als der mit nur 2500 Watt? Ach, im Zweifelsfall doch lieber ein paar Euro mehr investieren und den mit 3000 Watt kaufen; viel hilft ja bekanntlich viel! Doch ob das wirklich stimmt verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

Wer sich einen neuen Staubsauger kauft, sollte bei der Auswahl des Gerätes einiges beachten.

Das gilt, wie wir in unserem Nass Trockensauger Test 2019 beschrieben haben,  unter anderem auch für die Leistung; doch die häufig angegebene elektrische Leistung sagt nicht direkt etwas über die Saugleistung aus.

Aber was ist dann die elektrische Leistung und die Saugleistung und worin liegt genau der Unterschied?

Die Leistung sagt nichts über die Saugleistung aus

Oft wird die Leistung vom Hersteller auf der Verpackung und in der Bedienungsanleitung in Watt angegeben. Dabei gibt diese lediglich die Motorleistung an.

Seit Juli 2013 gibt es hier die Verordnung (EU) Nr. 666/2013 von der Europäischen Kommission. Demnach dürfen Staubsauger seit September 2014 im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie mit einer Leistung von höchstens 1600 Watt vertrieben werden. Ab September 2018 darf dieser Grenzwert nur noch bei 900 Watt liegen.

Tests im Januar 2014 ergaben, dass dieser Grenzwert völlig unbedeutend für die Saugleistung ist, da auch ein Staubsauger mit geringer Leistung eine gute Saugleistung nachweisen konnte. So kann auch ein Staubsauger unter anderem Tierhaare vom Sofa saugen.

Aber ist dann die Saugleistung überhaupt definiert, wenn diese anscheinend nicht nur von der Motorleistung abhängt?

Was ist die Saugleistung überhaupt?

Kurz: Die Saugleistung gibt den Volumendurchsatz in Abhängigkeit zur Druckdifferenz  an.

Um diese Aussage besser verstehen zu können wollen wir die Begriffe Volumendurchsatz und Ansaugdruck im Folgenden näher erklären.

Volumendurchsatz

Der Volumendurchsatz beschreibt welche Volumen (Menge an Luft und Staubgemisch) in einer bestimmten Zeit durch eine Öffnung fließt. Der Volumendurchsatz ist dabei von der Strömungsgeschwindigkeit des Mediums, beim Staubsauger das Luft-Staubgemisch, und dem durchströmten Querschnitt des Staubsaugerrohrs abhängig.

Beispiel: Ein Staubsauger saugt mit einer Geschwindigkeit von 48 Metern pro Sekunde Luft durch eine Saugöffnung mit 40 mm Durchmesser. Dann entspricht dies einem Volumendurchsatz von 60 Litern pro Sekunde.

Druckdifferenz

Hierbei handelt es sich um die maximale Druckdifferenz zum umgebenden Luftdruck. Erzeugt wird diese durch das Gebläse im Staubsauger. Die Maßeinheiten dafür sind Meter Wassersäule, Pascal oder Millibar. Ein guter Staubsauger erzeugt eine Druckdifferenz von 25 kPa, also 25 % des normalen Luftdruckes.

Airwatt bzw. Luft-Watt

Fließt der eben berechnete Volumenstrom von 60 l/s bei einer Druckdifferenz von 25 kPa, dann wird eine Saugleistung von 1500 Watt geleistet. Häufig wird diese Maßzahl als Airwatt (zu deutsch Luft-Watt) bezeichnet, um den Unterschied zur elektrischen Leistung darzustellen.

Achtung: Das Problem hierbei ist jedoch, dass sich die Herstellerangaben bzgl. Volumenstrom und Druckdifferenz meist auf Messungen direkt am Gebläse beziehen und somit keinerlei Rückschlüsse auf die tatsächlich geleisteten Airwatt/Luftwatt zulassen. Welche Saugleistung tatsächlich an der Öffnung des Saugrohres geleistet wird hängt nämlich von vielen Faktoren, wie beispielsweise der Dichtigkeit des Saugbehälter, Schlauchlänge und der Beschaffenheit der zu reinigenden Oberfläche ab.

Fazit zur Leistung

Die Angabe zur elektrischen Leistung eines Staubsaugers gibt also nur bedingt Auskunft über die tatsächliche Saugleistung des Modells, denn diese ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig, die teilweise auch durch bestimmte Umständen manipuliert werden kann.

Das dies in der Wirtschaft nicht unüblich ist, zeigen wohl am deutlichsten die Vorkommnisse im Abgasskandal.

Allerdings gibt es auch eine, unserer Meinung nach, verlässliche Angabe bzgl. der Saugleistung. Dabei handelt es sich um die Angabe der Saugleistung in Airwatt bzw. Luft-Watt die unter Berücksichtigung der IEC 60312 Norm gemessen wurde.

Faktoren, die die Saugleistung beeinflussen können

Auch wenn die Saugleistung nach dieser gültigen Norm bestimmt wurde, kann es Staubsaugern immer wieder zu Abweichungen kommen. Einige dieser Faktoren sind:

  • Das Gerät ist durch eine Beschädigung am Gehäuse oder dem Schlauch undicht geworden und zieht nun Fremdluft, also Luft die nicht an der eigentlichen Rohr- bzw. Schlauchöffnung angesogen wird.
  • Inneffizienz des Motors und anderer Bauteile. Manche Hersteller verwenden beispielsweise Kugellager mit schlechten Gleiteigenschaften, wodurch es zu Verlusten kommt.
  • Der Filter setzt sich mit der Zeit ist voll und behindert dadurch einen freien Luftstrom.
  • Die Beschaffenheit der zu Reinigenden Oberfläche ist sehr rau und ermöglich das Umströmen der Schmutzpartikel.
  • An den Flügelblättern des Motor können sich mit der Zeit Schmutzpartikel festsetzen, die den Wirkungsgrat des Motors negativ beeinflussen.

Es gibt also auch einige Faktoren, die komplett Situationsabhängig sind und in diesem Umfang nicht in den Testlaboren nachgestellt werden.

Gesamtfazit zur Leistung von Staubsaugern

Leistung ist nicht gleich Leistung und mehr elektrische Leistung heißt nicht automatisch auch mehr Saugleistung!

Achten Sie beim Kauf eines Staubsaugers also bei den Angaben genau darauf, ob es sich um eine elektrische Leistung des Motors oder die angesprochen Airwatt / Luft-Watt handelt. Bei letzterem sollte im Idealfall dabeistehen, dass dieser Wert unter Berücksichtigung der IEC 60312 gemessen wurde.

Wenn Sie Angaben bezüglich des Volumendurchsatzes oder der Druckdifferenz lesen, sollten Sie immer darauf achten wo diese Werte gemessen wurden. Je näher diese am Gebläse gemessen wurden, desto höher fallen sie in der Regel auch aus. Hier vergleicht man also schnell Äpfel mit Birnen!

Tipps: Falls Sie keine Herstellerangaben bzgl. der Saugleistung (Airwatts) finden, können Sie bei modernen Markenstaubsaugern davon ausgehen, dass die Saugleistung bei ca. 20% – 25% der angegebenen elektrischen Leistung des Motors liegt.

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